Warum ein Supermarkt schlimmer ist als eine vielbefahrene Straße

Person vor einen Einkaufswagen

Ein Einkauf am Samstag oder kurz nach Feierabend ist nicht wirklich das pure Vergnügen. Notwendige Dinge müssen Sie noch beschaffen, die Zeit ist knapp. Im Supermarkt ist die Hektik mancher Kunden deutlich zu spüren.

Da werden Einkaufswagen gerammt oder zur Seite geschoben, wenn mal wieder jemand die halbe Wursttheke blockiert. An der Kasse wird es dann richtig ungemütlich. Mal wieder nur ein Kassierer, die Leute drängeln. Wie oft haben Sie schon den Einkaufswagen vom Hintermann in die Hacken bekommen? Das ist fast schlimmer, als irgendwo auf einer innerstädtischen Straße im Stau zu stehen. Da fährt Ihnen in der Regel nämlich keiner in den Kofferraum.

Weinglas verschüttet

Der Supermarkt ist wie ein Kampfgebiet

Jürgen von der Lippe kennen Sie mit Sicherheit. Er hatte da so eine eigene Philosophie, was das Verhalten im Supermarkt angeht. Kleine Kostprobe gefällig? Er an der Kasse mit einem vollen Einkaufswagen. Hinter ihm eine Frau mit einer Packung Saft. „Haben Sie nur das eine Teil?“ „Ja.“ „Dann haben Sie jetzt genug Zeit zu überlegen, was Sie vergessen haben könnten.“ Das zeigt deutlich, dass es bei Aldi, Lidl und Co ganz schön ruppig zugehen kann.

Augen auf im Supermarkt!

Wenn Sie durch die Gänge streifen, müssen Sie mittlerweile schon bald so viel Sorgfalt walten lassen, wie beim Autofahren. Diese Erfahrung musste die Kundin eines Supermarktes machen, die sich nach einer Kollision mit einer anderen Kunden vor Gericht wiederfand. Bei einem Einkauf wollte die Kundin lediglich einer Verkäuferin mit einem Palettenwagen ausweichen und wich einen Schritt zurück. Dabei blickte sie sich nicht um – so wie es kaum jemand machen würde. Allerdings befand sich direkt hinter ihr eine andere Kundin, die bedingt durch den Rückwärtsschritt zu Fall kam und sich dabei den Ellenbogen brach. Die Geschädigte klagte auf Schmerzensgeld in nicht unerheblicher Höhe. Nach bereits vorgerichtlich gezahlten 2.800 Euro verlangte sie weitere 9.700 Euro.

Kartons auf Holzpalette

Gericht musste über Kollision im Supermarkt entscheiden

Die Richter am Oberlandesgericht Hamm mussten über die Schmerzensgeldforderung der Geschädigten entscheiden. Sie kamen zu der Auffassung, dass die Kundin, die den Rückwärtsschritt gemacht hat, sich schuldhaft verhalten hat. Letztendlich sei es durch ihre Handlung zum Sturz der anderen Kundin gekommen. In einem Supermarkt müsse jederzeit mit Hindernissen gerechnet werden, so dass eine Rückwärtsbewegung nicht ohne Blick nach hinten ausgeführt werden dürfe. Das gebietet schon die eigene Sicherheit: Was ist, wenn sich hinter dem Kunden Paletten oder ein Hubwagen befinden, wenn die Verkäufer gerade Regale befüllen?

Mitverschulden der Geschädigten – hohe Sorgfaltspflicht im Supermarkt

Der Geschädigten wurde allerdings von den Richtern auch ein Mitverschulden angelastet. Sie habe ihrerseits nicht auf die Bewegungen der vor ihr laufenden Kundin geachtet. Um einen solchen Sturz auszulösen, muss sie schon ziemlich nahe der vor ihr befindlichen Kundin gewesen sein. Das ist ähnlich wie ein zu geringer Mindestabstand im Straßenverkehr. Die Forderung von 9.700 Euro wurde letztendlich auf 1.500 Euro reduziert, hinzu kam ein Haushaltshilfezuschuss in Höhe von 500 Euro.

Wer rechnet schon mit Unfällen im Supermarkt?

Ein kurioses und doch ernsthaftes Urteil zugleich: Im Supermarkt müssen Sie als Kunde nicht nur die Angebote im Auge haben, sondern auch andere Kunden. Verursachen Sie schuldhaft einen Unfall, so haften Sie für die Folgen. Sicherlich, Ihre Privathaftpflicht wird Ihnen die finanziellen Forderungen abnehmen – der Ärger bleibt. Schließlich kann es immer mal Zeitgenossen geben, die aus einer Mücke direkt einen Elefanten machen. Selbst wenn Sie versehentlich jemandem mit dem Einkaufswagen über den Fuß fahren, kann das durchaus einen Rechtsstreit auslösen. Dagegen müssen Sie abgesichert sein, eben mit der privaten Haftpflichtversicherung.

Kundin mit Einkaufswagen schaut auf Smartphone

Warum ist die Privathaftpflicht unverzichtbar?

Schäden können sich in allen Lebenslagen ereignen, davon können Sie sich definitiv nicht freisprechen. Als Familie sind Sie mit der Privathaftpflicht gegen die Folgen von Schadenersatzansprüchen oder Schmerzensgeldforderungen abgesichert. Selbst wenn Sie alles unternehmen, um einen Schaden zu vermeiden, Ihre Kinder können es nicht, da sie vielfach die Folgen ihres Handelns nicht absehen können.

Die Privathaftpflicht steht aber nicht nur für die Befriedigung von Schadenersatzansprüchen, sondern auch für die Abwehr von unberechtigten Schadensersatzansprüchen. Wenn Ihnen im Supermarkt mal ein ähnliches Missgeschick geschieht, dann müssen Sie unmittelbar Ihre Privathaftpflicht darüber informieren. Hintergrund: Ab diesem Moment übernimmt Ihre Haftpflichtversicherung die weitere Abwicklung mit dem Geschädigten und prüft, ob der Schadensersatzanspruch gerechtfertigt ist. Kann ja auch mal sein, dass ein Sturz ohne Folgen bleibt und der Geschädigte trotzdem Schmerzensgeld verlangt. Dann wehrt Ihre Versicherung die unberechtigte Forderung ab und stellt Sie von jeglichen zivilrechtlichen Ansprüchen in der Folgezeit frei.

Viel Spaß beim nächsten Einkauf. Denken Sie mal über die Unfallrisiken nach, wenn Sie durch die Gänge streifen und Ihnen eine Verkäuferin mit einem Palettenwagen entgegenkommt. Hier hilft nur ausweichen. Oder nehmen Sie im Straßenverkehr etwa einen Zweikampf mit einem Lkw auf?

Familie im Wald

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.