Die Bauabnahme vor dem Einzug – was ist für Sie als Bauherr wichtig?

Hausbau

Endlich, das Bauvorhaben neigt sich dem Ende zu, zu Hause können Sie so langsam die Umzugskartons packen. In ein paar Wochen ziehen Sie in Ihren Traum von den eigenen vier Wänden ein.

Damit der Traum vom Haus nicht zu einem Albtraum wird, steht jetzt noch die Bauabnahme an. Diese dient dazu, dass die Behörden sich von der ordnungsgemäßen Errichtung ein Bild machen. Andererseits können Sie noch auf Mängel aufmerksam machen, die es zu beheben gilt. Dafür müssen Sie einige Dinge beachten.

Warum erfolgt eine Bauabnahme durch das Bauamt?

In Deutschland gibt es Bauvorschriften, die einzuhalten sind. Das hat vornehmlich mit der Sicherheit zu tun. Das Bauamt prüft, ob der Bauunternehmer alle behördlichen Vorschriften eingehalten hat. Weiterhin prüft das Bauamt Heizungsanlagen und Kamine auf Funktionstauglichkeit und mögliche Sicherheitsmängel überprüft. Eine nicht ordnungsgemäß eingebaute Heizungsanlage kann entweder das Risiko eines Feuers auslösen oder sogar Verbrennungsgase unkontrolliert entweichen lassen. Zu guter Letzt erfolgt durch die Aufsichtsbehörden die Prüfung, ob eine Nutzung des Gebäudes zu seinem Zweck als Wohnhaus möglich ist. Am Ende erhält der Bauherr ein amtliches Prüfprotokoll. Erst mit diesem Protokoll haben Sie die offizielle Berechtigung, Ihr Haus zu bewohnen. Stellen die Prüfer gravierende Mängel fest, können diese die Nutzung des Gebäudes untersagen, bis die Mängel behoben sind. Erst danach erfolgt die Bauabnahme durch den Bauherrn.

Nun ist der Bauherr an der Reihe – der wichtigste Termin vor dem Einzug

Ehepaar steht in Rohbau

Die Bauabnahme ist der wichtigste Schritt vor dem Bezug des neuen Eigenheimes. Mit dem Abschluss der Bauabnahme bekommen Sie quasi das Haus übergeben. Der Besitz geht vom Bauunternehmer auf Sie über. Das ist wichtig, da mit dem Wechsel der Besitzereigenschaften wichtige rechtliche Aspekte verbunden sind. Werden bei der Bauabnahme Mängel nicht festgestellt oder beachtet, kann das Auswirkungen auf die spätere Gewährleistung haben. Das bedeutet, dass Sie im Bauvertrag konkret festhalten müssen, in welcher Form welche Bauausführung zu erfolgen hat. Beispiel: Schreiben Sie in den Bauvertrag hinein, dass die Außenrollos mit einer elektronischen Steuerung versehen sein sollen, muss das erfolgen und kann, wenn das nicht geschehen ist, bei der Bauabnahme bemängelt werden. Deshalb ist es wichtig, den Bauvertrag so ausführlich wie möglich zu gestalten. So können Sie die durch das Bauunternehmen ausgeführten Leistungen besser bewerten und im Zweifelsfall bemängeln.

Eine Bauabnahme braucht viel Zeit

In vielen Fällen sind die Gedanken des Bauherrn beim Einzug und die Vorfreude auf das neue Heim ist groß. Verständlich, aber im Moment der Bauabnahme müssen Sie diese Gedanken komplett beiseite schieben. Die Bauabnahme bewirkt nach Unterzeichnung eine Beweislastumkehr. Bis zum jetzigen Zeitpunkt muss der Bauunternehmer nachweisen, dass er mangelfrei gebaut hat und alle Arbeiten ordnungsgemäß verrichtet wurden. Erkennen Sie hier einen Mangel, liegt die Beweispflicht beim Bauunternehmer. Nach der Bauabnahme wendet sich das Blatt oder auch die Nachweisführung. Sie müssen bei einem Mangel nachweisen, dass der Bauunternehmer schlampig oder nicht ordentlich gearbeitet hat. Das kostet Sie viel Zeit und unter Umständen viel Geld, wenn Sie Rechtsberatung benötigen.

Nehmen Sie sich bei der Bauabnahme Zeit und ziehen Sie einen Bausachverständigen hinzu. Das kostet zwar Geld, aber er wirft einen Blick auf die Dinge, denen Sie nicht so viel Bedeutung zumessen. Dazu kommt, dass entdeckte Baumängel im Protokoll eingetragen werden müssen. Diese können Sie mit Lichtbildern dokumentieren. Dazu sollten Sie vereinbaren, bis zu welchem Zeitpunkt die Mängel beseitigt werden müssen. Tun Sie das nicht, kümmert sich der Bauunternehmer möglicherweise erst einmal um eine andere Baustelle und Ihr Einzug verzögert sich. Sind die Mängel gravierend, können Sie die Bauabnahme verweigern. Hier muss der Bauunternehmer unmittelbar nachbessern.

Häuserreihe in der Fertigstellung

Tipp von unserer Seite: Nehmen Sie sich während der Bauphase ausreichend Zeit, um die ausgeführten Arbeiten auf Ihrer Baustelle zu überprüfen. Auch hier gilt: Als Laie sollten Sie einen Fachmann hinzuziehen. Sinnvoll ist es, solche Begehungen nicht im Baubetrieb durchzuführen, sonst verärgern Sie die Handwerker. Besser mal am Wochenende nach dem Rechten sehen und den Arbeitern ab und an mal eine Palette belegte Brötchen hinstellen. Das wirkt sich auf die Motivation aus.

Bauabnahme durch stillschweigende Zustimmung?

Für eine Bauabnahme ist die Ortsbegehung am Objekt unverzichtbar, um mögliche Mängel noch vor dem Nutzenübergang zu reklamieren. Es gibt Fälle, wo die Bauabnahme stillschweigend verlaufen ist. Nämlich dann, wenn der Bauherr zum Ende der Bauphase Handlungen vornimmt, die vermuten lassen, dass er mit dem Endergebnis des Hausbaus zufrieden ist. Dazu gehört zuerst das Verstreichen der Frist für die Bauabnahme. Aber die Zahlung der Schlussrate für das Bauvorhaben oder der Einzug in das Haus können als stillschweigende Bauabnahme bewertet werden. Kommt es dann zur Aufdeckung von Baumängel, liegt die Beweislast beim frisch gebackenen Hauseigentümer. Dann fängt der Ärger richtig an, wenn Sie dem Bauunternehmer hinterherrennen müssen.

Welche Punkte sind bei der Bauabnahme unbedingt von Ihnen zu berücksichtigen?

Wir haben für Sie eine kleine Checkliste zusammengestellt. Diese Punkte sollten Sie in jedem Fall beherzigen, jetzt geht es um Ihren Traum vom eigenen Haus oder um Ihre Altersvorsorge:

  1. Sie brauchen viel Zeit
  2. Ein Fachmann sollte Ihnen zur Seite stehen
  3. Jeder Raum muss überprüft werden: Lichtschalter, Steckdosen, wasserführende Armaturen, Fliesen, Waschbecken etc.
  4. Alle Böden und Wände mit der Wasserwaage überprüfen
  5. Keller und Dachboden komplett begehen und dort Wasser- und Elektroversorgung prüfen
  6. Außenfassade auf Unebenheiten und Risse überprüfen
  7. In die Baubeschreibung während der Bauphase aufgenommene Änderungen überprüfen
  8. Alle Zählerstände für Gas, Strom und Wasser festhalten
  9. Technische Anlagen erklären lassen und testen – alle Bedienungsanleitungen müssen vorhanden sein
  10. Alle Mängel schriftlich festhalten
  11. Name des Bauherren und die Objektdaten erfassen
  12. Auflistung aller Personen, die an der Bauabnahme beteiligt sind
  13. Ort und Datum der Bauabnahme
  14. Termin für die erneute Bauabnahme nach Beseitigung der festgestellten Mängel

Familie im Wald

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