Ausreiten in Gemeinschaft – gut für das Pferd und den Reiter

drei Reiter gemeinsam zu Pferd im Wald

Das Glück der Erde liegt auf dem Rücken der Pferde. Klar, denn nichts ist schöner, als mit dem eigenen Pferd draußen die Natur zu erkunden. Ob im Sonnenschein, im bunten Herbstwald oder in der weißen Winterlandschaft: Für Ross und Reiter sind die gemeinsamen Unternehmungen einfach das Beste, was es gibt.

Dennoch können wir oft beobachten, dass viele Pferdefreunde mit ihrem Liebling alleine unterwegs sind. Dabei ist Reiten doch ein toller Anlass, gemeinsam mit anderen Reitfreunden etwas zu unternehmen.

Welche Vorteile bietet das gemeinsame Ausreiten?

Nach der Einschätzung vieler Pferdeexperten sind manche Pferde nicht gruppentauglich. Eine Ursache dafür ist die Haltung des Pferdes. Wenn das Tier regelmäßig im Stall untergebracht ist und sein Besitzer es nur zum Ausreiten oder für die Pflege herausholt, fehlen schlicht und ergreifend die sozialen Kontakt. Das ist ähnlich wie der Hofgang im Knast. Diese Pferde finden sich draußen in der Menge anderer Pferde kaum zurecht und sind stressanfälliger.

Es ist nun einmal besser, die Pferde gemeinsam auf der Weide zu halten. Sicher, Kabbeleien sind nie ganz ausgeschlossen. Diese sind aber weniger riskant als ein Pferd, das sich bei jeder Gelegenheit in einer ungewohnten Umgebung oder beim Ausritt schreckhaft zeigt, weil da irgendwo ungewohnte Geräusche ertönen. Gemeinsam mit anderen Pferden können Sie beim Ausritt Hürden überwinden, die Ihr Liebling bisher nicht nehmen wollte. Manche Pferde sind beim Anblick einer Schafherde unruhig, wieder andere reagieren gestresst auf Hunde. Sind noch andere Artgenossen mit von der Partie, die sich in solchen Momenten gelassen zeigen, überträgt sich das auch auf Ihr Pferd. Gelassenheit ist also antrainierbar.
Das sind die Regeln für das gemeinsame Ausreiten

Wenn mehrere Pferdefreunde unterwegs sind, können immer unerwartete Hindernisse oder Ereignisse auftreten. Da macht es durchaus Sinn, wenn Sie im Vorfeld schon einig sind, wie alle Reiter reagieren müssen.

Denken Sie auch immer daran, dass Sie in der Haftung stehen, wenn Ihr Pferd einen Unfall auslöst und es dadurch zum Beispiel zum Sturz eines anderen Reiters kommt. Für solche Fälle benötigen Sie zur eigenen Absicherung die Pferdehaftpflicht.

Beim gemeinsamen Ausritt können Sie diese Punkte im Vorfeld klären:

  • Wie bilden Sie eine sichere Gruppe?
  • In welchem Gelände möchten Sie sich bewegen?
  • Wie verhalten Sie sich auf der Straße?
  • Was tun, wenn eine Schrecksituation auftritt?
  • Das A und O: Wie nehmen Sie auf andere Personen Rücksicht?

Eine sichere Gruppe ist die Grundvoraussetzung für den gemeinsamen Ausritt

Beim gemeinsamen Ausritt geht Sicherheit vor. Pferde sind schließlich scheue Tiere und neigen in Schreckmomenten zu unkontrollierbaren Reaktionen. Klären Sie untereinander, wer vorne vor der Gruppe reitet. In der Regel ist das der erfahrenste Reiter. Ans Ende muss ebenfalls ein erfahrener Reiter, Pferde mit weniger Reiterfahrung gehören in die Mitte. So sind sie von den ruhigeren Artgenossen quasi eingeschlossen. Halten Sie immer einen ausreichenden Abstand. So können Sie rechtzeitig reagieren, falls das Pferd vor Ihnen abrupt stehen bleibt oder sogar stolpert.

Auf Feldwegen oder auf Waldwegen, die für Pferde freigegeben sind, können Sie sogar besser nebeneinander reiten. Dabei gilt: Ein unerfahrener Reiter neben einem erfahrenen Reiter. So können sich Pferd und Reiter mit der weniger intensiven Reiterfahrung direkt am Nebenpaar orientieren. Das bringt Ruhe für die Pferde. Zudem kann das erfahrene Pferd das unerfahrene Pferd besser gegen Radfahrer oder Hundefreunde abschirmen.

Wo möchten Sie ausreiten?

Klären Sie gemeinsam, welche Strecke Sie für den Ausritt bevorzugen. Denken Sie daran, dass nicht alle Pferde geländeerfahren sind oder schon häufiger im Straßenverkehr unterwegs waren. Von Vorteil sind für die Gruppe beispielsweise Wege, die beidseitig durch Buschwerk oder Bachläufe begrenzt sind. So kann keines der Pferde überholen oder gar aus der Gruppe ausbrechen.

Daneben sind Wald- und Feldwege optimal zum paarweisen Ausreiten. Die Vorteile haben wir im Abschnitt oben ja bereits angesprochen. Wassergräben stellen kein Problem dar, wenn sie nicht allzu tief sind. Geht eins der erfahrenen Pferde voran, so ist der Bach dann auch kein Hindernis mehr für die weniger erfahrenen Pferde. Wege, die bergauf führen, eignen sich gut dazu, etwas Temperament aus den Pferden herauszunehmen, da hier ein bisschen mehr Anstrengung notwendig ist.

Straßen sind für Pferd und Reiter nicht immer vermeidbar

Das Ausreiten in der Natur stellt die absolute Freiheit dar. Allerdings müssen Sie dort erst einmal hinkommen. Von manchen Ställen geht es direkt in den Wald, wiederum andere Gehöfte haben nicht so eine optimale Anbindung. Hier kann es sein, dass Sie mit Ihren Pferden erst einmal den öffentlichen Straßenraum durchqueren oder nutzen müssen. Worauf müssen Sie besonders achten?

  • Für Reiter und Reitgruppen gilt die Straßenverkehrsordnung.
  • Pferde sind im Straßenverkehr nur zugelassen, wenn der Reiter erfahren und geeignet ist.
  • Gehwege und Fahrradwege dürfen Sie nicht benutzen.
  • Bei mehreren Reitern bilden Sie einen Verband, Sie können dabei also paarweise reiten.
  • Sind es mehr als zwölf Reiter, so müssen Sie die Gruppe in zwei Verbände aufteilen.
  • Bei Dämmerung und Dunkelheit gelten besondere Vorschriften.
  • Beim Abbiegen auf Nebenwege müssen Sie immer ein Handzeichen geben.
  • Vergewissern Sie sich, dass nachfolgende oder entgegenkommende Fahrzeuge die Abbiegeabsicht erkannt haben und ihr Tempo darauf einstellen oder anhalten.

Wenn das Pferd sich erschreckt – so reagieren Sie richtig

Es gibt immer mal eine Situation, die für Ihr Pferd im ersten Moment ungewohnt ist. Darauf reagiert Ihr Pferd in der Regel sehr hektisch oder neigt sogar zum Ausbrechen. Das kann schon eine laute Kuhherde sein, die auf einmal auf der Weide neben dem Feldweg am Zaun steht. Bleiben Sie in einer solchen Situation ruhig und üben Sie keinen Druck auf Ihr Pferd aus. Reiten Sie paarweise mit einem erfahrenen Tier an der Seite an dem Hindernis vorbei. Wenn genug Platz ist, kann der Ängstling auch von zwei Pferden eingerahmt an den seltsamen Tieren vorbei reiten.

Manche Pferde lasen sich auch zum Weitergehen animieren, wenn einer der Reiter von seinem Pferd aus das betroffene Pferd am Zügel fasst und sanft das Weitergehen fordert. Darauf lassen sich die ängstlichen Artgenossen in der Regel ein, wenn sie sehen, dass das andere Pferd ruhig und entspannt auf die Kuhherde, den Hund oder andere Hindernisse reagiert.

Nehmen Sie Rücksicht auf andere Personen

Rücksicht ist bei einem Aufeinandertreffen von Pferden mit Radfahrern oder Hundefreunden gegenseitig unverzichtbar. Denken Sie daran, dass die großen Tiere auch Unbehagen bei Menschen auslösen, die mit Pferden überhaupt nichts zu tun haben. Passieren Sie daher Fußgänger stets im Schritt und nicht etwa im Galopp. Versuchen Sie, genügend Abstand aufzubauen. Wenn etwa ein Radfahrer naht, können Sie von der Paarform auf das In-der-Reihe-laufen wechseln. So hat auch der Radfahrer genug Platz, um im angemessenen Abstand Ihre Gruppe zu passieren – ebenso die Hundefreunde. Denn Hunde neigen bei Pferden ebenfalls zu Schreckmomenten und können durch das Bellen wiederum das Scheuen eines Pferdes auslösen.

 

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