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Reingespielt - Nintendogs

 

„Sitz“ – „Lena, Sitz“ – so oder ähnlich tönt es aus vielen Kinderzimmern, wenn kleine Hundefans ihre virtuellen Vierbeiner zu erziehen versuchen. Aber nicht nur kleine Kinder, wie man meinen mag, fesselt dieses Spiel, auch die Erwachsenen kann man zu gegebener Stunde heimlich in dunklen Ecken spielen sehen.

Nintendogs wurde im Jahr 2005 als eine Art neues Tamagotchi angekündigt, aber diese Bezeichnung kommt schon einer Beleidung nahe. Das Spielkonzept ist relativ einfach und im Hinblick auf das Tamagotchi nichts Neues, aber Nintendo schaffte etwas, was bis daher keinem gelang – die virtuelle Welt wirkte extrem lebendig.

Zu Beginn geht man ins Tierheim und sucht sich dort je nach Edition (Dachshund & Friends, Labrador & Friends oder Chihuahua & Friends, Dalmatiner & Friends) einen kleinen putzigen Welpen aus. Sehr lobenswert, dass dieses Tier aus dem Tierheim geholt wird, so lernen Kinder, dass es auch diese Möglichkeit der Tieradoption gibt.

Hat man sich einen Welpen ausgesucht, kehrt man mit ihm in das virtuelle Zuhause zurück. Nun muss man das neue Familienmitglied, wie auch in der Realität, erst einmal an sein neues Zuhause und an uns gewöhnen. Die ersten Lernschritte können nach einer kurzen Eingewöhnungszeit beginnen und Schritt Nummer 1 ist der Name des Welpen. Hierfür spricht der kleine Welpenbesitzer (oder auch der große) in das Mikrofon des Nintendo DS und reagiert der Welpe, wird er überschwänglich belohnt. Auch hier wieder ein Hauch Realität, Lernen durch positive Bestärkung.

So folgen nach dem Namen das Erlernen von Sitz und Platz, aber auch andere Tricks wie Pfote geben und totspielen. Diese Übungen bedürfen etwas mehr Geduld, aber der Einsatz lohnt sich. Und auch hier lernt der virtuelle Freund sehr viel über die Bestätigung des kleinen Hundehalters, viele Streicheleinheiten mit dem Stylus sind da von Nöten, denn nur so lernt der Hund, wann er etwas gut gemacht hat und auch ein Leckerli kann beizeiten Wunder bewirken.

Natürlich braucht der Welpe auch Auslauf und so geht man mit ihm auch Gassi. Anfangs noch kleine Runden, denn kleine Hunde ermüden schnell. Aber im Verlauf werden die Runden immer größer und die Umgebung kann erforscht werden. Die Route wird hierbei auf dem Stadtplan mit dem Touchpen gewählt und schlaue Füchse legen die Route so, dass sie möglichst viele Fragezeichen überläuft. Unter diesen verbirgt sich so manche Überraschung. Manchmal sind es nur Freunde, die ebenfalls mit ihrem Vierbeiner unterwegs sind, aber hin und wieder findet man auch Spielsachen oder andere kleine Geschenke. Mehr als 200 Gegenstände können so gesammelt und sogar via WIFI mit Freunden getauscht werden. Ein besonderes Highlight für Nintendofans, dürfte das Mini-Mario Kart sein, mit dem man vor seinem Welpen her fahren und mit ihm spielen kann.

Allerdings sollte man seinen kleinen Hund nicht an allem schnuppern lassen, denn ab und an liegt auch was Schlechtes auf der Straße und davon bekommt der kleine Vierbeiner arges Bauchweh. Hinterlassenschaften des Hundes sollten sofort entfernt werden, denn wie auch im echten Leben ist es verboten, Hundehaufen auf der Straße liegen zu lassen! Der Park ist ein beliebtes Ausflugsziel. Hier trifft man ebenfalls Freunde, kann aber zudem auch mit dem Hund das Frisbeewerfen und Apportieren trainieren, welches für den erweiterten Spielverlauf nicht unwichtig ist.

Auf dem Hundesportplatz kann man den kleinen Vierbeiner so richtig auspowern und ebenfalls für spätere Turniere trainieren. Dort wuselt der kleine Schatz sich durch Tunnel, springt über Hürden und läuft Slalom. Aber Vorsicht! Man sollte es nie übertreiben und auch Hunde werden irgendwann mal müde. Ist man richtig gut, kann man sogar an Agility Turnieren teilnehmen und neben einem Pokal auch noch das Preisgeld absahnen. Zudem kann man an Frisbee-Turnieren und Gehorsams-Wettbewerben teilnehmen und auch dort ein Preisgeld und einen Pokal absahnen. Je besser man wird, desto höher darf man starten und desto höher fallen natürlich die Preise aus.

Kleine Hundebesitzer lernen bei Nintendogs allerdings auch, dass man sich um seinen kleinen Freund kümmern muss und das einen Hund halten nicht nur spielen und schmusen heißt. So fordert der kleine Hund neben Streicheleinheiten auch Futter und Wasser ein, welches man im Tierladen kaufen muss. Deshalb ist es wichtig, von Zeit zu Zeit an Wettbewerben teilzunehmen, damit man immer ein kleines Budget zum Shoppen hat.

Ein weiterer wichtiger Punkt in der Haltung des Welpen, ist dessen Pflege, allerdings in meinen Augen ein Negativpunkt des Spiels. Das Spiel fordert vom Spieler ein ständiges baden des Hundes ein, aber in der Realität sieht das ganz anders aus. Zwar sollte ein Hund regelmäßig Fellpflege erfahren, aber niemals in so kurzen Abständen mit diversen Shampoos gebadet werden. Bei Nintendogs hat es Auswirkungen auf das Verhalten des Hundes, wenn er nicht ständig gebadet wird. Es kann auch sein, dass er einfach mal ausreißt!

Die Steuerung des Spiels ist relativ einfach. Das Nintendo DS wird mit all seinen Schikanen ausgenutzt, das Mikrofon und der Touchpen sind das Hauptsteuerungsmittel. Mit dem Stylus wird gestreichelt, aber auch Hilfen für die Kunststücke gegeben. Die Route für den Spaziergang wird ebenfalls mit ihm gezeichnet und das Menü wird via Stylus bedient. Auch Frisbee und Ball lässt man mit dem Stylus fliegen, die Hinterlassenschaften mit ihm von der Straße geklaubt. Über das Mikro könnt wird der Welpe gerufen und ihn mit möglichst eindeutigen Befehlen die Tricks beigebracht. Je eindeutiger diese gewählt sind, desto leichter und besser lernt der Vierbeiner darauf zu reagieren.


Fazit:

Nintendogs stellt ein wirklich gelungenes Spiel für große und kleine Hundefans dar und wurde sogar schon von der Tierrechtsorganisation PETA mit dem Proggy Award ausgezeichnet. Allerdings stehe ich einigen Punkten recht kritisch gegenüber.
Wird das Spiel nicht täglich gespielt, ist der Hund plötzlich ungepflegt oder im Statusmenu steht fast verhungert und verdurstet. Natürlich muss ein Hund in der Realität täglich umsorgt werden, aber ein Kinderspiel sollte so ausgelegt sein, dass es nicht zwingend notwendig ist es täglich zu spielen.
Selbst ein Spielen am Morgen und am Abend scheint schon ein zu langer Zeitabstand zu sein, das hat meine Tochter nicht gefallen, da sie nur eine gewisse Zeit mit dem Nintendo DS spielen darf. Diskussionen mit ihr und Tränen zeigten auf, dass dieses Spiel relativ realitätsnah gestaltet ist und kleinere Kinder den Unterschied zwischen Spiel und Wirklichkeit nicht setzen können.

Sicherlich stellt das Spiel eine pädagogische Hilfe dar, wenn es um die Anschaffung eines Hundes geht. Kindern wird aufgeführt, was es heißt, sich um einen Hund zu kümmern – nur ein Spiel kann man abschalten, einen Hund nicht so einfach vernachlässigen.
Die Grafik ist sehr ansprechend gestaltet, die Tiere sehr lebensgetreu dargestellt, die Umgebung ein wenig schlicht, aber schließlich steht ja der Hund im Vordergrund.
Die umsorgten Hunde altern nicht, bleiben immer auf dem Stand des Welpen. Sterben ist auch kein Thema bei den Nintendogs, so gibt es keine Tränen bei kleinen Hundehaltern, allerdings hätte ich persönlich ein Altern des Hundes gar nicht als so schlecht empfunden. So könnten Kinder lernen, dass Hunde eben nicht immer klein und niedlich bleiben, sondern auch größer werden und später auch älter und mehr Ruhe benötigen.

Vielleicht ein Anreiz für ein neues Spiel dieser Reihe?

Aber im Ganzen gesehen ist Nintendogs ein empfehlenswertes Spiel für Kinder ab einem Alter von 6 Jahren!

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