Tümpelhund Lilli
Dass Lilli ein Wasserhund war, hatten wir im Urlaub mehr als einmal bewiesen bekommen. Aber wie sehr sie das Wasser liebt sollte mir auch noch auf andere Weise bekannt werden.
Nachdem Lillis Gehorsam in Dänemark fast makellos war, konnte ich in unserer Umgebung einen weiteren Schritt in Richtung Spaziergangs-Ausdehnung unternehmen. In unserer unmittelbaren Umgebung befindet sich eine kleine Parkanlage, diese hatte bisher gelangt, aber hier durften Hunde nun einmal offiziell nicht unangeleint rumlaufen.
Ein kleines Stückchen weiter ist ein Landschaftsschutzgebiet, in dem, wenn nicht besonders gekennzeichnet, Hunde unangeleint laufen dürfen. Sicherheitshalber hatte ich mich aber bei unserem Ordnungsamt kundig gemacht, denn hier in Nordrhein-Westfalen herrschen andere Hundegesetze und auch sogenannte 40-20er müssen an der Leine geführt werden. Und Ärger hatman als Hundebesitzer ja eh schon genug, da muss es nicht auch noch welcher mit dem Ordnungsamt sein!
Also marschierten ich und Lilli mit Hundepfeife, Leckerlis bewaffnet los in Richtung der „Heide“. Kaum einen Fuß in dieses Gebiet gesetzt, waren wir auch schon umzingelt von mehreren Hunden, alle freundlich gesinnt, aber an der Leine war Lilli nicht mehr zu halten. Es hätte auch nur zu ungewollten Umwicklungen geführt. Also leinte ich sie ab, mit einer guten Portion Bauchschmerzen, aber es hatte ja bisher auch alles hervorragend geklappt. Wie ein Pfeil schoss sie mit einer Meute Hunde davon, spielte und tobte, genauso wie es in einem ausgewogenen Hundeleben sein sollte. Schnell fand ich selber Gesprächspartner unter den Hundebesitzern und man lief gemütlich den Hunden hinterher. An einer bestimmten Stelle riefen alle ihre Vierbeiner zu sich und auch ich versuchte mein Glück, aber kaum das Lilli ihren Namen hörte ruckte ihre Nase in eine andere Richtung und sie sauste wie der Blitz davon.Enttäuschung machte sich breit in mir und gleichzeitig erfasste mich eine winzige Panik, denn ich konnte ja nicht ahnen wohin sie lief. Die anderen Hundebesitzer schmunzelten schon und beruhigten mich und eine Sekunde später hörte man ein großes Platschen.
Mit einem unguten Gefühl lief ich genau in die Richtung dieses Geräusches und mir wehte ein dezent „tümpeliger“ Geruch entgegen. Nachdem ich einen kurzen Kampf mit hohen Gräsern ausgefochten hatte, wurde mir Blick auf einen undefinierbar grünen Tümpel gewährt. Mitten in dieser Brühe stand ein Tier, dass sich mit Hingabe immer und immer wieder drehte und sprang. Natürlich handelte es sich hierbei um meinen Hund, wenn man sie zu diesem Zeitpunkt noch Hund nennen konnte.
Schleimige Algen hingen an ihrem Fell herab, der Bauch war schlammverschmiert und ihr graues Fell hatte eine undefinierbare Farbe angenommen. Den Geruch der aus ihrer Richtung zu mir herüberwehte, möchte ich hier lieber nicht genau beschreiben, auf alle Fälle war er alles andere als angenehm. Ihr schien er allerdings rein gar nichts auszumachen, denn sie beendete trotz mehrfachen Zurufes, ihr Treiben nicht. Dem Rat der anderen Hundehaltern folgend, wendete ich mich von Lilli ab und ging mit dem ganzen Tross weiter, der „Heiderunde“ folgend. Anscheinend gelangweilt, da niemand mehr am Tümpelrand rumhampelte und zeterte, folgte uns das Tümpelungeheuer. Die Mitspaziergänger konnten nun nicht mehr an sich halten und es hagelte so einige schadenfrohe Sprüche in meine Richtung, die ich mehr oder weniger erheitert erwiderte.
Nun aber war ich diejenige die einen Grund zum Lachen hatte, denn mein Tümpelhund schüttelte sich mit Hingabe genau dort, wo die schadenfrohen Hundebesitzer standen und nun wie begossene Pudel aussahen. Mein Ärger über ihren Ungehorsam war just in diesem Moment versackt und Lilli muss nun an bestimmten Stellen in der Heide an der Leine oder bei Fuß laufen. Allerdings gönne ich ihr aber meistens den Spaß und lasse sie einfach laufen, denn auch wir verfügen Zuhause über einen Wasseranschluss. Uns seit einiger Zeit gibt es sogar einen am Gartentor, so dass der Tümpelgeruch abgewaschen werden kann.
Seit diesem Tag hat Lilli den Beinamen Tümpelhund von mir erhalten, denn wo sich auch ein Schmodderloch befindet, mein Hund findet dieses. Und mit Lilli an meiner Seite würde ich sogar in der Wüste Wasser finden.
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