Mein Welpe, Dein Welpe
Nach achteinhalb Monaten in ihrer neuen Familie, ihrem neuen Rudel, war es soweit, unsere zweite Tochter Greta erblickte das Licht der Welt – eine neue Erfahrung mit Lilli.
Wie ich schon am Anfang des Hundetagebuches erwähnte, floss in die Überlegung zur Anschaffung eines neuen Hundes, meine erneute Schwangerschaft ein. Nicht nur das der neue Hund ein zweijähriges Kind akzeptieren musste, er musste ebenso nach acht Monaten Eingewöhnung ein Neugeborenes neben sich dulden - fast wie ein Welpe.
Wie auch schon bei unserem ersten Hund Charlie und der Geburt unserer großen Tochter Hannah, war es uns auch bei Lilli wichtig, dass sie schon vor der Ankunft des Babys, dessen Gerüche kennen lernte.Mein Mann nahm einen gebrauchten Strampler und eine gefüllte Windel aus dem Krankenhaus mit und legte sie Lilli zur Gewöhnung in deren Korb. Sie zeigte kein sonderliches Interesse und schnupperte nur kurz an diesen Fremdkörpern in ihrem Korb und wühlte diese prompt aus ihm heraus.
Nach sechs Tagen Krankenhausaufenthalt wurden Greta und ich endlich entlassen und konnten nachhause kommen. Lilli freute sich mich zu sehen, aber es kam der Eindruck auf, dass sie irgendwie beleidigt war! Nach einer kurzen Verschnaufpause inklusive Umziehen, widmete ich mir Lilli und führte sie an Greta heran. Alle Befürchtungen zerschlugen sich in der Luft, denn Lilli zeigte sich von einer extrem mütterlichen Seite. Sie schnupperte äußerst vorsichtig an ihr und auch ihr sonst so stürmisches Lecken, kam zögerlich und sehr zärtlich.
Egal wann oder wo ich Greta stillte, wickelte, schmuste oder spielte, Lilli wich nicht von meiner Seite. Wurde sie des Platzes verwiesen und musste sich auf ihre Decke legen, quietschte und winselte sie uns die Ohren voll. Das Ende des Gewimmers war immer das Gleiche, sie lag zu meinen Füßen.
Die Sorgen, dass sie Greta nicht akzeptieren würde, waren nun alle unbegründet, jetzt gab es das Problem der enormen Fürsorge seitens unseres Hundemädchens. Es war unmöglich Greta auf die Krabbeldecke zu legen ohne dass dieser Hund sich neben sie legte. Unbeaufsichtigt waren sie ohnehin nie, denn Lilli ist und bleibt ein Tier. Kein Hundehalter kann hundertprozentig zusichern, dass sein Hund nie etwas tun würde. Lillis gehasstes „Nein“ galt also nun auch für die Krabbeldecke, das Kinderzimmer war ohnehin tabu für sie. Seit jeher, denn Lilli liebt Plastik- und Gummispielzeug, sie hat es so zusagen zum Fressen gern.
Im Souterrain lag unsere kleine Tochter sicher in einem Stubenwagen und im Wohnbereich fanden wir einen recht verträglichen Kompromiss – den Laufstall. In diesen kam Lilli nicht rein und so war es auch möglich den Raum mal kurz zu verlassen. Sicherlich hatte sie nie Böses im Sinn und wir sind auch nicht zimperlich wenn sie die Kinder ableckt oder diese Lillis Spielzeug in den Mund nehmen. Allerdings würde Lilli mit der Ableckerei nicht aufhören und sehr wahrscheinlich vom Lecken ins Knabbern verfallen. Und das muss bei zarter Babyhaut nun wirklich sein.
Wieder einmal hat sich für uns bestätigt, dass Vorurteile gegenüber Tierheimhunden oft unbegründet sind. Natürlich gibt es Hunde mit Verhaltensauffälligkeiten, aber diese machen den geringsten Prozentanteil aus. Lilli ist ein toller Spielkamerad für unsere Große geworden und auch der Kleinen wird sie in den nächsten Jahren eine treue Freundin sein. Wollen wir hoffen, dass sie uns lange erhalten bleibt.
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