Urlaubsflirterei
Nach zwei Jahren Urlaubspause, gönnte sich unsere kleine Familie wieder einen zweiwöchigen Aufenthalt in unserem Lieblingsurlaubsland Dänemark. Lilli wie immer mit dabei - und das nicht ohne Folgen!
Der Mai ist gekommen die Bäume schlagen aus und um dem zu entgehen zog es unsere vierköpfige Familie plus Hund wieder an die Nordseeküste Dänemarks. Zum fünften Mal buchten wir das Haus auf dem Holmslandsklit, links die Nordsee und rechts den Ringkøbing Fjord. Beides jeweils nur knapp 600 m von unserem kleinen Reetdachhäuschen entfernt.
Für die Fahrt bekam Lilli zur Beruhigung Bachblüten ins Maul geträufelt, die auch diesmal wieder ihre Wirkung zeigten und ihr eine gewisse Ruhe gaben. Ich hatte in der Urlaubsvorbereitung bereits 14 Tage vor Reiseantritt damit begonnen ihr Rescue Remedy Tropfen zu verabreichen. Auch wenn die Bachblütentheraphie von vielen belächelt wird, diese auch unter dem Namen Notfalltropfen bekannten Bachblüten helfen bei Lilli immer wieder. Ob es nun der Gang zum Tierarzt ist oder eben diese lange Fahrt. Ich kann sie nur empfehlen.
In Skodbjerge angekommen und das Gröbste ausgepackt und eingerichtet, hielt uns nichts mehr beim Haus, der Strand rief förmlich nach uns. Ein kurzes Stück vom Haus entfernt, dort wo keine Häuser mehr stehen, ließen wir Lilli von der Leine. Man hätte meinen können, dass dieser Hund nie Auslauf bekommen hätte, sie ging ab wie eine Rakete, rannte im hektischen Zick-Zack – ein graues Fellbündel voller Lebensfreude.Am Strand dann dasselbe Bild, Lilli rannte in die Wellen, schnappte ins Wasser und natürlich schüttelte sie ihr Fell immer dort aus, wo wir gerade standen. Natürlich gefiel es uns auch wieder, ganz zu schweigen von den Kindern.
Ich erwähnte es schon in einem meiner Artikel, dass gerade Dänemark ein unwahrscheinlich hundetolerantes Land ist. Eigentlich ist dort ab Ende April Leinenpflicht am Strand, sowie in den Dünen. Aber solange sich alle ordentlich benehmen, wird es wohl auch weiterhin geduldet, dass die Tiere dort frei herumlaufen und genau wie ihre Besitzer den Urlaub genießen können.
Zu Beginn unserer zweiten Woche, schlossen wir Bekanntschaft mit einer kleinen Familie nebst Hund. Und wie es so oft im Leben ist, kam diese Bekanntschaft eigentlich durch die Hunde zustande. Ich möchte es mal so ausdrücken: Lilli wurde im Sturm erobert. Unsere Devise am Strand war immer, wenn ein Spaziergänger auf uns zukommt, egal ob mit oder ohne Hund, dann kam unser Vierbeiner an die Leine. Das liegt weniger daran das Lilli aggressiv ist, sondern daran dass sie eine Wibbelfutt ist und recht stürmisch sein kann. Schon von weitem sahen wir zwei Erwachsene und ein kleineres Mädchen die Dünen herunterkommen, ein Stück entfernt von der Stelle, an der wir es uns gemütlich gemacht hatten. Begleitet wurden sie von einem stattlichen Golden Retriever, der Lilli sah und direkt auf sie zugestürmt kam.
Man könnte sagen es war Liebe auf den ersten Blick, zumindest bei dem Goldie, denn Lilli hatte erst einmal Stress damit, dass der Rüde an "ihre" Kinder gehen könnte. Aber nachdem sie die Lage abgeschätzt hatte, stand einem wilden Herumgetolle am Strand nichts mehr im Wege. Auch die zweibeinigen Urlauber verstanden sich auf Anhieb gut und man traf sich in der letzten Urlaubswoche noch das ein oder andere Mal am Strand.
Auch am Abfahrtstag traf man sich trotz kühler Brise am Strand und schaute den beiden verrückten Vierbeinern beim Spielen zu. Die beiden passten aber auch zu gut zueinander, ihr Spiel war ausgelassen und friedlich. Kein Geknurre oder Gezanke um Stöckchen, Steinen oder Leckerchen. War der eine ermüdet, so spielte man eben im Liegen weiter und kaute sich gegenseitig das Fell durch. Nach zwei Stunden hieß es dann für Hunde und Besitzer endgültig Abschied zu nehmen. Ein wehmütiger Blick den Strand hinunter, ein letzter Gang zum Haus, ein herzlicher Abschied von Thommy und Besitzer und es ging zurück nach Tyskland, wie der Däne sagt.
Spät in der Nacht waren wir wieder im "Pott" und fielen nach erledigter Auspackaktion müde ins Bett. Am nächsten Morgen fiel uns die Veränderung an Lilli recht schnell auf. Die sonst lauffreudige, kaum zu bändigende und recht verfressene Hündin wollte nicht Laufen, nahm kein Futter zu sich. Wir schoben dies zuerst auf die lange Fahrt, dass sie vielleicht falsch gelegen hat oder verspannt sei. Am nächsten Tag machten wir uns doch allmählich Sorgen, denn sie wollte immer nicht so richtig, zum spazieren gehen musste man sie regelrecht auffordern, aber das Futter nahm sie allmählich wieder an.
Eine Mail ein paar Tage später, gab Aufschluss darüber, dass ein Golden Retriever im Norden Deutschlands eine etwa gleiche Art an den Tag legte. Dabei war es doch so einfach, unsere Lilli hatte schlichtweg Liebeskummer, denn auch Thommy verweigerte sein Futter.
Tja, da soll noch mal einer sagen, dass Tiere keine Gefühle haben!
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