Matz – Zweiter Teil

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Die Hilflosigkeit, mit der ich der Erkrankung gegenüberstand, kann ich nicht in Worte fassen. Der Verfall des kleinen Hundekörpers wurde von Stunde zu Stunde drastischer, der Lebershunttest fiel negativ aus. So schwebte nun der Verdacht Staupe greifbar im Raum, aber das Ergebnis ließ auf sich warten. Er war nun eine gute Woche erkrankt und kein Medikament zeigte eine Wirkung. Er bekam prophylaktisch Stagloban in Verbindung mit Antibiotika, aber angeschlagen hatte davon nichts.

Sechs Tage nach dem Ausbruch der Krankheit war ich am Ende meiner Kraft, wollte den armen Kerl erlösen. Heute bereue ich es zutiefst, dass ich es nicht getan habe, aber der Arzt wollte unbedingt das Ergebnis abwarten, das sich tags drauf in den Abendstunden als negativ herausstellte. So konnte nun Cortison eingesetzt werden, da ein weiterer Krankheitsverdacht nun in Frage kommen konnte - eine Panostitis. Die Panostitis ist eineErkrankung der langen Röhrenknochen bei jungen großwüchsigen Hunden (generalisierte Knochenentzündung). Aus einer Mailingliste bekam ich diesen Tipp und wir griffen ihn auf, obwohl weder röntgentechnisch noch Schmerzdruckempfindlichkeit bei ihm Panostitis typisch waren.

Heute glaube ich, dass ihm das den Rest gab und mache mir schwere Vorwürfe. Ich wollte nie an einem Lebewesen rumdoktern lassen, es mit allen Mitteln am Leben erhalten.

Matz baute zusehends ab, konnte nach 9 Tagen Krankheit nicht mehr auf den Beinen stehen. Seine Vorderbeine zuckten und sein Kopf wurde durch diesen Nervenimpuls mit nach unten gerissen. Ich war nervlich sehr angeschlagen, der Tierarzt nahm Matz in seine Obhut, damit meine Kinder diesen Zustand nicht sehen mussten. Alle paar Stunden fuhr ich hin, um ihn zu füttern, ihn trocken zu legen und ihn umzubetten. Montags kam ich zur Praxis und man legte mir nahe ihn zu erlösen. Da ich aber erst mir Dirk, meinem Mann reden wollte und auf keinen Fall während der Praxiszeit die Euthanasie vornehmen lassen wollte, nahm ich den Kleinen und fuhr nach Haus. Ich bekam einen Anruf, ich sollte den Kleinen auf Borreliose testen lassen, was wir dann auch taten. Da das Blut noch im Labor war, bekamen wir das Ergebnis sehr schnell - positiv. Matz hatte Borreliose, aber die Symptome, die er aufwies zeigten ein Stadium einer weit fortgeschrittenen Borreliose, nicht eine von wenigen Wochen. Ich wollte ihm diese eine Chance noch geben und so bekam er Doxycyclin und ich nahm das Kerlchen zum letzten Kampf mit Nachhause in seine Familie!

In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch krampfte er, bekam Schaum vor der Schnauze, baute weiter ab, obwohl er bis zum Schluss gut gefressen hat. Ich war am Ende meiner Kraft und zog den Schlussstrich! Matz schlief sanft hinüber und wurde die ganze Zeit über von mirgestreichelt. Vergessen werde ich ihn nie!

Ich habe quer durch Deutschland telefoniert und saß stundenlang vorm Rechner und suchte im Internet nach Hilfe. Ich möchte mich nochmals bei allen Ärzten bedanken, die mir zuhörten. Mein besonderer Dank gilt der Mailingliste "Freunde des Herdenschutzhundes", dem "Gesunde Hunde"-Forum, dem "Pro Herdenschutzhunde"-Forum, Dr. rer. nat. Torsten Naucke von parasitus.com, Dr Gabriele Liebisch vom Zecklab und allen anderen Leuten die mir in dieser schweren Zeit zur Seite standen und mir zuhörten, mitlasen und Ratschläge gaben. Ihr wart mir eine große Hilfe!

Matz war ein Hund aus dem Süden, viele Menschen verurteilten mich deshalb und ich bekam viele "siehste, haben wir doch gesagt" - Sprüche zu hören. Ich möchte hier betonen, dass Matz KEINE Staupe hatte und keine hier bekannte Südenkrankheit. Meine Hündin Lilli ist kerngesund und auch kein anderer Hund hat sich angesteckt. Wir hatten einfach nur Pech!

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