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Isegrimms Erben

 

Was Zoologen schon lange geahnt haben, wird nun durch eine genetische Studie aus den USA belegt: Alle Hunderassen stammen vom Wolf ab.

Im 19.Jahrhundert stellte der Evolutionsforscher Charles Darwin die These auf, dass die Ahnen des Haushunde aus der Vermischung wildlebender Verwandter ( Schakal, Kojote) entstanden sind. Dies wurde nun von einem Team aus Genetikern und Evolutionsbiologen aus Schweden und den USA widerlegt werden. Ob es sich nun um die Deutsche Dogge, den Chiahuahua, Malteser oder Dalmatiner, sie alle stammen vom Wolf ab. Das US-Wissenschaftsmagazin Science berichtet sogar, dass drei Viertel aller heutigen existierenden Hunderassen aus einer einzigen Wolfslinie entspringen. Des Weiteren seien sie die Abkömmlinge eines einzigen Zähmungsversuchs.

Robert Wayne, Leiter der internationalen Arbeitsgruppe an der Universität von Kalifornien berichtet, dass das Team nicht nur belegen konnte, dass der Wolf der einzige Urahn des Hundes ist, sondern auch, dass der Mensch nach dem ersten Domestizierungsversuch noch wenigstens einen weiteren unternommen hat. Insgesamt sammelten und untersuchten die Wissenschaftler das Erbgut (DNA) von 162 Wölfen aus 27 Regionen der Erde, aus Nordamerika, Asien und Europa. Verglichen wurde dieses Erbgut mit den genetischen Informationen von insgesamt 140 Haushunden, die 67 Rassen angehören. Da auch die der Gattung Canis zugehörigen wilden Hundeartigen miteinander kreuzbar sind und somit als potentielle Vorfahren des Haushundes in Frage kommen könnten, wurde auch das Erbgut von Kojoten und Schakalen untersucht.

Untersucht wurde die DNA aus den Mitochondrien, den Energielieferanten der Zelle. Diese wird nur mütterlicherseits vererbt. Für seine relativ hohe Mutationsrate ist ein bestimmter Abschnitt dieser Gensequenzen bekannt, die so genannte Kontrollregion. Deshalb kann die Kontrollregion gewissermaßen als eine Art molekulare Uhr dienen. An dieser können die Wissenschaftler die Zeit ablesen, die zwei Arten von ihrem gemeinsamen Urahn trennt. Durch archäologische Funde wurde belegt, dass sich die stammesgeschichtlichen Wege zwischen Wölfen und Kojoten vor einer Million Jahren getrennt haben. Seit dieser Zeit haben sich etwa siebeneinhalb Prozent des mitochondrialen Erbguts von Kojoten und Wölfen verändert. Das konnten die Forscher durch die Mitochondrien-Uhr feststellen, die sie auf die DNA-Unterschiede geeicht hatten.

Den genetischen Indizien zufolge könnte deshalb die erste Zähmung eines Wolfes bereits vor 135 000 Jahren stattgefunden haben. Dieser Zeitpunkt wäre fast zehnmal früher als bislang angenommen. Denn bisher wurde aufgrund von Knochenfunden vermutet, dass vor rund 14 000 Jahren das Zusammenleben von Mensch und Hund begann. Durch diesen immensen Zeitraum ist der Hund wahrscheinlich das älteste aller Haustiere. Schon Jahrtausende alte spanische Felsmalereien aus der Steinzeit, zeigen den Hund als Jagdhelfer des Menschen.

Die Forscher vermuten, dass der Haushund der Frühzeit sich lange Zeit nicht im Körperbau von seinen wilden Vorfahren unterschieden hat. Erst mit der Entwicklung des Menschen vom Jäger und Sammler zum Ackerbauer und Viehzüchter, vor rund 15000 Jahren, hätten sich die Zuchtkriterien für die vierbeinigen Begleiter geändert. Vermutlich wurden bewusst kleinere und weniger kräftige Exemplare zur Zucht gewählt. Erklären würde eine solche Vorgehensweise die damals zutage tretenden morphologischen Unterschiede zwischen Wolf und Hund. Außerdem vermuten die Forscher, dass sich die Haushunde der Frühzeit immer mal wieder mit ihren wilden Vorfahren gepaart haben. Durch diesen genetischen Austausch zwischen Hund und Wolf, könnte die Basis für die künstliche Selektion durch den Menschen geschaffen worden sein, die in all der Zeit zu rund 300 Rassen geführt hat.

Der beste Freund des Menschen findet Platz in allen Kulturen und wurde je nach Aufgabe und Bedürfnissen über Jahrhunderte hinweg gezüchtet. So entstanden unsere heutigen Rassen, vom Mops bis zum Leonberger, von der Bordeaux Dogge hin zum Rauhaardackel.

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