Wohnzimmerwölfe

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Filme wie Wolfsblut animieren regelrecht dazu, sich einen Wolfsmischling ins Haus zu holen. Das kann allerdings ein böses Ende nehmen.

Vor gut fünfzehntausend Jahren ist der Wolf durch den Menschen auf den Hund gekommen. Auch wenn "canis familiaris" sich seither in über vierhundert Rassen von höchst unterschiedlichem Erscheinungsbild aufgefächert hat - vom winzigen Chihuaha bis zum massigen Bernhardiner - kann er weiterhin mit seinem wilden Urahn "canis lupus" verpaart werden.
Was dabei heraus kommt, ist oft von ansprechendem Äußeren. Das ist wohl die Ursache dafür, dass vor über zwanzig Jahren in den USA ein wahrer Boom an Wolf/Hund-Kreuzungen, sog. Wolfshybriden, einsetzte. Anfangs wurden vor allem der Deutsche Schäferhund und nordische Rassen wie Siberian Husky, Malamute und Samojede mit Wölfen verpaart - später aber auch Dutzende anderer Rassen. Mittlerweile hat die Begeisterung für diese "Wohnzimmerwölfe" auch Europa errreicht. Holland gilt als ihre Hochburg. In Deutschland sollen nach einer Umfrage der Gesellschaft zum Schutz der Wölfe zwischen 10.000 und 20.000 Hybriden existieren - und dies zumeist illegal.

Denn bei uns muss die Haltung von Wolfsmischlingen behördlich genehmigt sein. Sie gelten samt und sonders als Wölfe und fallen dadurch unter das Washingtoner Artenschutzabkommen und sind eine besonders geschützte Art im Sinne des Bundesnaturschutzgesetzes. Völlig unerheblich ist dabei, wie hoch der Anteil an Wolfsblut ist, der in ihren Adern fließt.

Die Begründung für ihren besonderen Schutz ist ebenso einfach wie zwingend. Hunde sind das Ergebnis eines über hunderte, wenn nicht tausende von Generationen gelaufenen Domestikationsprozesses. Der hat bei ihnen zur sog. Neotenie geführt: im Vergleich zum Wolf werden Hunde nie erwachsen, bleiben immer Jugendliche, deren Verspieltheit die Grundlage für ihre Sozialverträglichkeit mit dem Menschen bildet.

Der Wolfmischling hingegen wird "erwachsen". Als Welpe und Jungtier meist unproblematisch, bricht mit der Geschlechtsreife im zweiten oder dritten Lebensjahr schlagartig das Wilderbe durch, und das macht ihn untauglich zum Haus- und Familientier. Wölfe beispielsweise markieren ständig ihr Territoriuim, und deswegen werden Hybriden nie stubenrein. Mit ihrer hohen Intelligenz und ausgeprägten Neugier überwinden sie ohne große Mühe bis zu drei Meter hohe Zäune oder untergraben sie einfach. Gegenstände im Haus betrachten sie schnell als ihr Eigentum und bewachen sie. Eine Couch wird so zu "toten Beute", die sie gegen menschliche Nahrungskonkurrenten verteidigen, wobei nicht selten in Bissen endet, was mit Knurren begann.

Monty Sloan, Wolfsexperte im Wolf Park, Indiana, sieht im Hybriden eine explosive Mischung aus wölfischen und hündischen Eigenschaften. Als Wolf beansprucht er im menschlichen "Ersatzrudel" Familie einen hohen Status, als Hund fehlt ihm die natürliche Scheu des Wolfs vorm Menschen, so dass er wenig Hemmungen hat, seine Ansprüche durchzusetzen. Da er gleichzeitg nicht lernt, wer seine Beutetiere sind und wie er sie jagen muß, können z.B. Kinder, die hinfallen und schreien, in akute Lebensgefahr geraten, wobei er "nur" seinem Jagdschema folgt.

Der Wohnzimmerwolf wird so immer unberechenbarer und landet schließlich an der Kette, im Zwinger, im Tierheim oder wird einfach ausgesetzt, was - wenn er Glück hat - wieder ins Tierheim führt. Wolfshybriden zu züchten heißt daher, sie zu lebenslanger Einzelhaft zu verdammen und ist damit Tierquälerei. Für sie findet sich kein natürliches Habitat in der menschlichen Gesellschaft, und ihr Zuchtverbot ist dringend angesagt. Bleiben wir bei unseren Hunden und lassen wir den Wolf dort, wo er hingehört - in der Wildnis!

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