Können Hunde Krebs riechen?
Stellen Sie sich vor, Sie gehen zur Krebsvorsorge und statt einem Arzt untersucht sie… ein Hund! Ein Hund, der mit seiner feinen Nase ihre Muttermale auf Krebs untersucht.
Dieses Szenario könnte bald zum Alltag in deutschen Arztpraxen gehören. Denn die Beweise dafür, dass Hunde Krebszellen erschnüffeln können, verdichten sich immer mehr. Aber was genau riechen die Tiere? Und woran erkennen sie die Krankheit? Hunde werden tagtäglich eingesetzt, um Drogen zu entdecken und Lawinenopfer aufzuspüren. Sie helfen Behinderten dabei, ihren Alltag zu meistern. In einigen Fällen warnen sie ihre Besitzer sogar vor drohenden Epilepsieanfällen und Diabetiker vor Unterzuckerung. Dass die Wahrnehmung der Tiere der unseren weit überlegen ist, steht außer Frage. Aber wie weit reichen ihre Fähigkeiten tatsächlich?
Schon seit 15 Jahren kursieren Anekdoten, Legenden und Gerüchte darüber, dass Hunde ihre Besitzer bei Krebserkrankungen warnen. Anscheinend können sie die Krankheit riechen. Bisher wurden Ärzte, die diese Vermutungen unterstützen, von der Fachwelt verlacht. Aber jetzt hat sich das Blatt gewendet. In wissenschaftlichen Testreihen haben Mediziner und Tiertrainer erstaunliche Ergebnisse mit den vierbeinigen Diagnostikern erzielt. In nur drei Wochen wurden die Hunde darauf abgerichtet, die Atem- und Urinproben krebskranker Personen von denen gesunder Menschen zu unterscheiden. Das Skurrile: Niemand weiß, was genau die Tiere in den Proben wittern – die Erfolgsquote aber ist überwältigend. In 90 Prozent der Fälle gelingt es den Hunden, die Proben richtig zuzuordnen. Nicht eingerechnet sind dabei überraschende Befunde außerhalb der Testreihe: Die Dalmatinerhündin Trudy machte durch permanentes Lecken und Knabbern am Bein ihres Frauchens auf die Bösartigkeit eines Muttermals aufmerksam. Eine unglaubliche Leistung: Trudy ist nicht einmal auf die Krebserkennungtrainiert worden. Und wie sich herausstellt, ist die Hündin kein Einzelfall. Mehr als 30 solcher Vorkommnisse sind von den stolzen und erleichterten Hundebesitzern bisher gemeldet worden.
Aber müssten die Stoffwechselprodukte von Lungenkrebs nicht anders riechen als die eines Tumors? Welches ist die Gemeinsamkeit, die die Hunde erkennen? Die unzähligen offenen Fragen rufen seit Jahrzehnten immer wieder Spötter und Skeptiker auf den Plan. Auf keinen Fall wollen sie pelzigen Vierbeinern Zutritt zu ihren Praxisräumen verschaffen – schöner und viel zuverlässiger wäre doch ein elektronischer Nachbau der Hundenase. Dazu wiederum benötigen die Forscher die chemische Zusammensetzung dessen, was die Tiere als Krebs identifizieren. Instinktives Wissen können sie nicht nachbauen.
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