Leitfaden zur Sozialisation von Welpen II

Für Welpen, die Familienhund werden sollen, ist die Grundsozialisation durch den Züchter ausreichend.

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© Susanne Friedrich  / PIXELIO

Der Züchter sollte damit jedoch unmittelbar nach der Geburt beginnen. Im Normalfall kommen die Welpen im Haus des Züchters zur Welt. Hier wird schon der erste Grundstein für die Prägung gelegt, denn die Hunde werden sich ja später auch zusammen mit Menschen in deren Haus/Wohnung aufhalten.

Die Erziehung/Prägung der Welpen durch diese Art und Weise bringt Vor- und Nachteile mit sich. Der Vorteil wurde bereits genannt: der junge Hund gewöhnt sich an die menschliche Behausung mit allem, was dazu gehört.

Ein Nachteil ist das Fehlen von Schlüsselreizen, die der Welpen erhielte, wenn er in der freien Natur aufwüchse.

Für den Züchter ist es wichtig, diese Schlüsselreize zu kennen, damit er diese dem Welpen zum geeigneten Zeitpunkt vermitteln kann.

Bei neugeborenen Hunden sind die Nervenzellen nahezu nackt, d. h. noch nicht mit einer Myelinscheide umgeben. Je mehr Botenstoffe die Nervenzellen erhalten, umso schneller entwickeln sie sich. D. h.: je mehr angemessenen Reizen der Hund ausgesetzt wird, umso besser entwickelt sich sein Nervensystem. Diese notwendigen Reize kann der Züchter durch gezielte Sozialisation setzen.

Unterschiedliche Reize sorgen für unterschiedliche Botenstoffe; daher ist es unerläßlich, dass der Züchter dem Hund regelmäßig diverse Reize anbietet. Insbesondere in der ersten Lebenswoche sind diese Reize relevant.

Herrscht beim dem betreuenden Züchter eine reizarme Umgebung, so wird der Welpe kein gut ausgeprägtes Nervengeflecht erhalten.

Diese Defizite sind später nicht mehr zu reparieren und können bestenfalls leicht minimiert werden.

Welpen, die in der ersten Lebenswoche vielfältigen Reizen ausgesetzt werden, sind erfahrungsgemäß belastbarer, lernfähiger und weniger verhaltensauffällig. Sie entwickeln sich besser und sind ihrer Umwelt gegenüber sehr aufgeschlossen. Sie sind stressresistenter und zeigen eine bemerkenswert hohe Frustrationstoleranz.

Insofern läßt sich die Behauptung aufstellen, daß in der ersten Lebenswoche bereits über die Lebensqualität des Hundes entschieden wird.

Zu diesem Thema gibt es Abhandlungen bekannter Verhaltensforscher, z. B. Dr. D. Feddersen-Petersen, Helga Fleig und Eberhard Trumler. Sie alle haben erkannt, daß eine ungenügende Prägung in der Frühphase zu irreparablen Folgen bei den erwachsenen Hunden führt.

Eine frühestmögliche, intensive Beschäftigung mit dem Welpen wird von allen als optimal empfohlen, weil gerade die ersten Wochen entscheidend sind für die Entwicklung des späteren Verhaltens der Hunde.

Woran erkennt man, daß ein Welpe gut sozialisiert wurde?

Er zeigt sich zunächst gegenüber seinen Artgenossen unterwürfig. Daraufhin wird er Beschwichtigungsgesten zeigen, z. B. Lecken der Mundwinkel des Gegenübers oder Pfötchengeben. Erfährt er dann Akzeptanz, wird ein gesunder und stabiler Welpe zum Spiel auffordern.

Menschen gegenüber wird der Welpe neugierig sein, auf sie zugehen und sie ausgiebig beschnuppern. Er wird keine Angst zeigen, sondern den Menschen freundlich zum Spiel auffordern oder ihn anknabbern. Hebt man ihn hoch, wird er weder erschrecken, noch beissen oder knurren oder Angst in anderer Form zeigen. Üblicherweise wollen solche Welpen sofort das Gesicht des Menschen ablecken.

Die gut sozialisierten Welpen lassen sich beim Spiel nicht aus der Ruhe bringen, lassen sich gerne anfassen und kraulen. Auch etwas ungeschickteres Anpacken von Kindern tolerieren sie ohne großen Unmut.

Auf eine neue Umgebung reagieren gut sozialisierte Welpen immer mit Interesse. Neugierig schnüffelnd werden sie unbekannte Räumlichkeiten erkunden, zwischendruch immer wieder den Kontakt zu “ihrem” Menschen suchen und dann nach erfolgter (und anstrengender) Besichtigungstour entspannt in einer gemütlichen Ecke einschlafen.

Ähnlich wird das Verhalten eines gut geprägten Welpen in der Natur ablaufen: auch hier wird die Neugier siegen. Der Welpe wird fröhlich auf fremde Tiere zugehen oder Schmetterlingen hinterherlaufen. Spaziergänger oder Radfahrer werden nicht als Quelle der Angst angesehen und verursachen keinen Stress bei den jungen Hunden, vielmehr wird er ihnen interessiert und begeistert nachlaufen.

Auch in der Stadt läßt sich ein gesunder Welpe nicht einschüchtern. Der Lärm von Autos und Menschen beunruhigt ihn keineswegs, vielmehr wird alles Neue interessiert beschnüffelt und zur Kenntnis genommen. Auch wenn fremde Menschen ihn streicheln wollen, wird ihn das nicht aus der Ruhe bringen.

Auch große Ansammlungen von Menschen, verbunden mit dem entsprechenden Lärm, wird der Welpe gelassen hinnehmen. Lediglich Orte, die sich unnatürlich geruchsintensiv zeigen, wird er möglicherweise (und auch berechtigterweise) meiden, z. B. Parfümerien. Gut möglich, daß er hier schon einmal niesen muss (wie viele Menschen übrigens auch).

In völlig ungewohnten Situationen sollte der Welpe weder Angst noch Scheu zeigen. Vielmehr wird er vorsichtig alles Neue erkunden und dabei seine wichtigsten Sinne einsetzen: Sehen, Riechen (Schnüffeln), Hören. Zeigt sich die neue Situation ohne Bedrohung, dann wird er sich schnell neugieriger und auch mutiger zeigen.

Es ist wichtig, den Welpen nicht zu vielen neuen Situationen auf einmal auszusetzen, damit er keine Reizüberflutung erfährt. Vielmehr sollten die neuen Erfahrungen in angemessenen zeitlichen Abständen gemacht werden können.


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