Wenn die kleinen Welpen das Licht der Welt erblicken, sind ihre Nervenzellenvollkommen unbedeckt.
Die umhüllende Myelinscheide beginnt sich erst in den ersten beiden Lebenswochen zu entwickeln. Die zunächst „nackten” Nervenzellen leiten die ersten Informationen auch nur langsam in das zentrale Nervensystem (ZNS) des Tieres.
Die Geschwindigkeit, mit der Informationen übermittelt werden, wurde gemessen. Es gab sich eine anfängliche Weiterleitungsgeschwindigkeit von 1 m/sec. Sobald das Nervensystem weiter entwickelt ist, also mit einer Myelinscheide geschützt, erhöht sich die Geschwindigkeit der Informationsübermittlung auf 120 m/sec. Dies ist eine gewaltige Steigerung.
Dabei folgt die Umhüllung mit der Myelinscheide einem festgelegten Schema. So beginnt sie grundsätzlich in der Nähe des Kopfes. Dort verlassen die Nerven das zentrale Nervensystem.
Sehr gut erkennbar ist es bei den Welpen daran, dass sie das hintere Ende ihres Körpers gewissermaßen zunächst gar nicht wahrnehmen. Eine Motorik ist dort zunächst nicht vorhanden und entwickelt sich erst mit den nächsten Lebenstagen.
Wird der Welpe in diesem entscheidenden Stadium vielen Reizen ausgesetzt, fördert das die schnelle Entwicklung der Myelinscheide. Es ist daher notwendig, dass das Tier zahlreiche Erfahrungen selbst machen darf. Dazu zählen Temperaturschwankungen, viel Bewegung auf eigene Faust, verschiedene Gerüche und Geräusche.
Eine Unterstützung des Züchters z. B. beim Suchen der Zitzen des Muttertieres, wirkt sich hier negativ aus. Im schlimmsten Fall kann dies zu einer Behinderung, bzw. Verzögerung der Entwicklung des Nervensystems führen. Dies wiederum hat entscheidende Auswirkungen auf das spätere Leben des Welpen.
Um eine gute Entwicklung zu gewährleisten, ist es sinnvoll, dass der Welpe ein festgelegtes Schema bei allen Handlungen durchläuft:
1)Motivation
2)Appetenz
3)Endhandlung
4)Beendigung der Motivation
Im praktischen Fall kann das folgendermaßen aussehen: der Hund friert. Das Frieren stellt die Motivation dar. Der Hund muss etwas unternehmen, damit er nicht mehr friert. Also sucht er sich einen warmen Platz (Appetenz), z. B. bei der Mutter oder seinen Geschwistern.
Das Kuscheln mit der Mutter oder den Geschwistern bildet die Endhandlung. Dadurch, dass der Welpe nun nicht mehr friert, hat er sein Ziel erreicht, die Motivation (Erreichen einer höheren Körpertemperatur) ist somit erloschen.
Eine solche Vorgehensweise ist in der Natur „normal” und bedarf daher auch beim Züchter keiner Veränderung. Niemals.
In dieser entscheidenden Phase darf der Mensch nicht eingreifen, denn die naturgemäße, dem Instinkt entsprechende Entwicklung, die durch das Verhalten des Muttertieres vorgegeben wird, ist optimal für den Welpen.
Gerade die Vorgänge während und nach der Geburt sollten – insofern keine Komplikationen eintreten – vom Menschen lediglich beobachtend begleitet werden. Das Säubern der Welpen nach der Geburt, das Suchen der Kleinen nach dem Gesäuge der Mutter – all das sollten die Tiere selbst erledigen.
Zeigt sich die Mutterhündin nicht geeignet, sollte sie aus der Zucht genommen werden, da zu befürchten ist, dass auch dem Nachwuchs die wichtigen Instinkte fehlen werden.
Der Züchter kann in der vegetativen Phase (die ersten 14 Tage) durch verschiedene Schlüsselreize die Entwicklung beim Welpen anregen. Diese Schlüsselreize können thermischer (Temperatur), akustischer (Geräusche) oder olfaktorischer (Gerüche) Art sein.
