Viele Besitzer einer Hündin kennen das regelmäßige Dilemma: ihre Hündin, die ansonsten immer fröhlich und verspielt ist, verwandelt sich für einige Wochen in ein teilnahmsloses, zurückgezogenes Wesen.
Trägheit prägt während dieser Zeit ihr Verhalten, selten kommt die Hündin aus ihrem Körbchen, sie frisst kaum und beschäftigt sich intensiv mit ihrem angeschwollenen Gesäuge.
Dieses Verhalten findet sich häufig im Anschluss an die Läufigkeit, und man bezeichnet es als Scheinträchtigkeit. Die Hündin verhält sich, als erwarte sie Nachwuchs und verändert ihr Verhalten entsprechend.
Der Grund für diese Erscheinung liegt in einer hormonellen Fehlsteuerung. Nach Abschluss der Läufigkeit bildet sich bei jeder Hündin das Schwangerschaftshormon, das wir unter der Bezeichnung Progesteron kennen. Progesteron wird unabhängig von einer Trächtigkeit grundsätzlich bei jeder Hündin gebildet.
Dieses Hormon sorgt für das Wachstum der Milchdrüsen, gleichzeitig ist es verantwortlich für die Trägheit der Hündinnen.
Ungefähr 2 Monate nach ihrer Läufigkeit bildet sich bei den Hündinnen Milch in ihrem Gesäuge – egal ob trächtig oder nicht. Im Normalfall handelt es sich dabei um eine geringe Milchproduktion, die auch nur sehr kurze Zeit anhält und so unauffällig ist, dass der Hundebesitzer sie meistens überhaupt nicht bemerkt.
Das ist bei einer scheinträchtigen Hündin anders. Hier verläuft die Milchproduktion genau wie bei einer trächtigen Hündin, und sie versiegt auch nicht. Als Verursacher dieser hormonellen Störung steht Prolaktin in Verdacht; Prolaktion ist verantwortlich für den Milchfluss bei einer säugenden Hündin.
Dieser Zustand ist sowohl für die Hündin als auch für ihren Besitzer anstrengend.
Was ist zu tun?
Empfehlenswert ist es, die Hündin zunächst aus ihrer Teilnahmslosigkeit zu befreien. Sie sollte viel Anregung zum Spiel und zu Aktivitäten im Freien bekommen. Es ist daher günstig, öfter mit der Hündin spazieren zugehen, als sonst – auch zu ungewöhnlicheren Zeiten.
Das Spielzeug, das die scheinträchtige Hündin sich ins Körbchen gelegt hat, dient meist als Welpenersatz und sollte daher schnell entfernt werden.
Besonders wichtig ist jedoch, dass die Hündin nicht an ihrem Gesäuge leckt, denn dies sorgt immer wieder für eine Anregung der Milchproduktion. Es ist daher ratsam, das Lecken zu unterbinden, indem man der Hündin einen lockeren Verband (z. B. altes T-Shirt oder lockerer Schlauchverband) anlegt. Auch kühlende Umschläge sind zu empfehlen.
In den Fällen, in denen dennoch keine Verbesserung eintritt, kann möglicherweise der Tierheilpraktiker mit homöopathischen Maßnahmen oder auch der Tierarzt mit geeigneten Mitteln helfen.
